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Tagungsprogramm

Donnerstag, 3.3.2016 – abends (zusammen mit GAIMH)

Ab 16:30

Registrierung im Tagungsbüro

Foyer 2. OG Hörsaalgebäude

 

17.30 – 18.00

18.00-19.00

Tagungseröffnung

Eröffnungsvortrag: „Psychoanalytisches Sprechen mit Säuglingen und Eltern: was, warum und wann?“

Audimax

 

Björn Salomonssen, Stockholm

19:00 – 21:00

Abendempfang

Foyer Hörsaalgebäude 2.OG

 

 

Freitag, 4.3.2016 – Sprache, Entwicklung und Geschlecht

Ab 08:00

Registrierung im Tagungsbüro

Foyer Hörsaalgebäude 2.OG

 

09:00 –09:15

Grußworte

Hörsaal 8

 

09:15 – 10:15

Communicative interaction in children and non-human great apes

(Vortrag auf Englisch; Diskussion in Deutsch möglich)

Hörsaal 8

Richard Moore, Leipzig

10:15 – 10:45

Kaffeepause

 

10:45 – 11:45

Die Welt der Sprache erschafft die Welt der Dinge

Hörsaal 8

 Raymond Borens, Basel

11:45 – 12:45

Vatersprache – Muttersprache – Alphabet

Hörsaal 8

 Christina von Braun, Berlin
12:45 – 14:15 Mittagessen  
14:15 – 16:00

öffentlich:

Diskussion der Vorträge von Christina von Braun und Raymond Borens (gemeinsam)

Seminarraum 202

 

Falldiskussionen in Gruppen:, NICHT öffentlich:

 

Falldiskussion : Fallvorstellung durch Désiré Brendel

Seminarraum 203

Falldiskussion : Fallvorstellung durch Eva-Maria Gassmann

Seminarraum 204

Falldiskussion : Fallvorstellung durch Jessica Rehm

Seminarraum 205

Falldiskussion : Fallvorstellung durch Karin J. Lebersorger

Seminarraum 210

 

 

 

 

 

 

16:00 – 16:30

Kaffeepause

 

16:30 –17:30

»Eure Nahrung ess‘ ich nicht, unsere Sprache sprech‘ ich nicht.« – Nachdenken über den Zusammenhang von kindlichen Fütterstörungen und Sprachentwicklungsverzögerungen

Hörsaal 8

Franziska Schlensog-Schuster, Leipzig

17:30 – 18:00

Diskussion

 

19:00 –24:00

Abendveranstaltung in der Moritzbastei Italienisches Büffet, Klassik und Disko

 

 

Samstag, 5.3.2016 – Sprache und kinderanalytische Technik

Ab 8:30

Registrierung im Tagungsbüro

Foyer Hörsaalgebäude 2.OG

 

09:00 –10:00

Mutter, Vater, Krokodil – eine Kleinkindertherapie zwischen Sprachen und Kulturen

Hörsaal 8

Katharina Seifert, Wien

10:00 – 11:00

Der therapeutische Dialog mit dem mutistischen Kind

Hörsaal 8

Dieter Bürgin, Basel

11:00 – 11:30

Kaffeepause

 

11:30 – 12:30

»Das Ich bleibt der Maßstab, mit dem man die Welt ausmißt« (Freud 1909). Sprache in der Adoleszenz

Hörsaal 8

Axel Holicki, München

12:30 – 13:00

Abschließende Diskussion

Hörsaal 8

 
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Zusammenfassung der Vorträge

Björn Salomonsson, Stockholm

Psychoanalytisches Sprechen mit Säuglingen und Eltern: was, warum und wann? 

Eltern- Kleinkindtherapie ist ein ziemlich neues Feld in der Psychoanalyse. Viele Fragen sind  noch unbeantwortet, nämlich wie wir den klinischen Prozess gestalten und diesen theoretische verstehen können.  Der Vortrag wird sich dabei speziell mit der Bedeutung von verbalen Interventionen des Therapeuten beschäftigen. Beide, die Eltern und das Baby, nehmen diese Interventionen wahr, aber bei beiden erzeugen sie unterschiedliche Effekte.  Es wir die These aufgestellt, dass man nicht nur die Eltern, sondern auch das Baby ansprechen sollte, insbesondere wenn es belastet und gestresst wirkt. Diese Aussage führt zu einer Diskussion darüber, was Babys wohl von den gesprochenen Worten verstehen mögen und auch darüber, ob reine verbale Kommunikationen überhaupt existieren. Es werden semiotischen Konzepte eingebracht, die die Teile der klinischen Kommunikation verstehen helfen, die jenseits der Worte liegen.  Aktuelle neurobiologische Forschungen haben aufgezeigt, dass das Gehirn des Babys und seine Nervenbahnen darauf vorbereitet sind, Worte als spezielle Kommunikationsformen aufzunehmen, obwohl sie deren lexikalische Bedeutung noch nicht erfassen können.  Durch seine Aufmerksamkeit und die „Musik“ seiner Wörter und der begleitenden Gesten stellt der Therapeut, der das Baby und dessen Stress anspricht,  diesem nicht nur containment zu Verfügung. Er heißt damit das Kind auch in der symbolischen Ordnung willkommen und vermittelt außerdem, dass diese ihm/ihr auch helfen kann, die niemals stillbare Begierde zu Bedürfnissen zu transformieren, die mit dem primären Objekt verhandelt werden können. Der Vortrag basiert auf Freudianischen, Bionianischen und Lacanianischen Konzepten sowie auf neurobiologischen Forschungsergebnissen.

 

Richard Moore, Berlin School of Mind and Brain Attention, Environment, and Trust in Pointing Production and Comprehension

(Vortrag in Englisch)

It is widely accepted that the production and comprehension of pointing plays a foundational role in children’s language development; and that children but not apes acquire language because they possess the cognitive abilities required for pointing comprehension that our great ape cousins lack. However, it is also true that young children are sometimes poor at using points provided by others (for example, when the pointers are also young children), and that apes sometimes perform well in pointing comprehension tasks (especially when they are raised in human environments). In this talk I try to explain these findings by considering the role of three non-cognitive factors in pointing production and comprehension: attention, environment, and trust.  I illustrate my arguments by reference to a series of recent studies on pointing production and comprehension between pairs of orang-utans, and pairs of two-year-old children.

 

Raymond Borens, Basel

Die Welt der Sprache erschafft die Welt der Dinge

Alles geht durch die Sprache, aber nicht Alles ist Sprache.

Die Ordnung der Sprache – das Symbolische -, in welche das Kind hineingeboren wird, strukturiert und determiniert seine Welt. Es muss sich in diese vorgegebene Ordnung – des Anderen – einfügen, die ihm einerseits die Welt der Mitmenschen und der Dinge eröffnet und  andererseits zu einer Entfremdung (Alienation) führt. Das Symbolische aber ist unvollständig, und gerade diese Unvollständigkeit erlaubt dem Kind einen gewissen Grad an Loslösung (Separation) von den sprachlichen Festlegungen.

 

Christina von Braun, Berlin

Vatersprache – Muttersprache – Alphabet

Die Heiligen Schriften der drei monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – wurden in alphabetischen Schriftsystemen geschrieben. Das Alphabet schuf völlig neue Denkformen, die unter anderem den Monotheismus mit seinem unsichtbaren Gott und eine neue Form von abstrakter Rationalität hervorbrachten. Der Abstraktionsschub verdankte sich der Tatsache, dass das Alphabet, anders als Piktogrammschriften, ein phonetisches Schriftsystem ist: Laute und die gesprochene Sprache, die dem Körper gehört, werden in visuelle, d.h. körperferne Zeichen übertragen. Das Schriftsystem hatte auch Folgen für die Geschlechterordnung und die Art, wie die Rolle von ‚Vater‘ und ‚Mutter‘ konzipiert wurde.

 


 Franziska Schlensog-Schuster, Leipzig

„Eure Nahrung ess‘ ich nicht, unsere Sprache sprech‘ ich nicht.“ – Nachdenken über den Zusammenhang von kindlichen Fütterstörungen und Sprachentwicklungsverzögerungen

Im psychotherapeutischen Verständnis stellt das Stillen, Füttern und Gefüttertwerden eine zentrale Rolle in der Interaktion zwischen Mutter/Vater und Kind dar. Die Aufnahme der Nahrung in den eigenen Körper kann schon in den frühsten Entwicklungsstadien des Babys von diesen kontrolliert und dosiert werden. Somit wird diesem Prozess eine doppelte Brückenfunktion (Kontakt zwischen dem Außen- und Innenraum des Babys, zwischen den Primärobjekten und dem Baby) zuteil, die abhängig ist von der elterlichen Feinfühligkeit, der rhythmischen Koordination und der elterlichen Intuition. Jaffe et al. 2001 ergänzte das Konzept der Synchronisation zwischen Mutter/Vater und Baby um die Bedeutung der Sprache. Klinisch wahrzunehmen ist, dass sich die Sprache der Eltern verliert und die Sprache des Babys sich nicht entwickelt, wo die existenzielle Bedrohung der Fütterstörung zunimmt.  Als würde die Not sich nur körperlich ausdrücken können. Interessanterweise verliert auch das Helfersystem seine Symbolisierungsfähigkeit und wird ‚sprachlos‘, statt die rohen Affekte der Kinder und Eltern  im Sinne des Containing-Container-Modell nach Bion wahrzunehmen, zu containen und in ‚verdauter‘ Form den Kindern sowie ihren Familien zu Verfügung zu stellen, präsentiert sich schnelles Agieren.

 

Katharina Seifert, Wien

Mutter, Vater, Krokodil – eine Kleinkindertherapie zwischen Sprachen und Kulturen

 Es wird über die therapeutische Intervention wegen einer augenscheinlichen Beziehungsstörung  zwischen einem dreijährigen Buben aus einer zweisprachigen Familie und seiner französischsprachigen  Mutter berichtet. Wegen der lückenhaften Sprachkenntnisse der Analytikerin wurde in der Elternarbeit neben Französisch  auch Englisch verwendet. Vom fünften Lebensjahr an konnte  die Behandlung als einmal wöchentliche Therapie mit dem Buben, zunehmend in Deutsch,  fortgesetzt werden. Während einerseits über die Entwicklung des Kindes von einem fast sprachlosen, kleinkindhaft wirkenden Kind, das sich vor allem durch Gestik ausdrückte, zu einem über zwei Sprachen verfügenden Vorschulkind berichtet werden kann, zeigte sich dann andererseits eine schwere Symptomatik des Kindes, in Wechselwirkung mit deutlichen Spannungen in der Familiendynamik.

In diesem Vortrag wird das Thema Sprache im Kontext von Migration betrachtet: die Unsicherheiten der Mutter, sich in einer ihr fremden sprachlichen Umgebung zurecht zu finden, und  die aus ihrer eigenen Vergangenheit stammenden, konflikthaften psychischen Faktoren, die zu einer freiwilligen Migration geführt haben, wirkten sich prägend auf das Familienleben ebenso wie auf die Behandlung aus.

 

Dieter Bürgin, Basel

Der therapeutische Dialog mit dem mutistischen Kind 

Individuen tauschen sich über verschiedene kommunikative Wege aus. Averbal-gestisch-mimische Zeichen und Gesten werden in der Entwicklung allmählich durch die verbale Sprache und Narrative ersetzt. Wie kann ein diagnostisch-therapeutischer Dialog etabliert werden, der bei einem Kind mit intensivstem elektivem Mutismus eine Aussage über die Indikation für eine psychoanalytische Psychotherapie erlaubt? Dieser Frage wird an Hand von vier psychoanalytisch orientierten ‚Interviews‘ mit einem Knaben in der Latenz nachgegangen und auf dem Hintergrund theoretischen Ausführungen und psychoanalytischer Konzepte diskutiert. 

 

Axel Holicki, München

»Das Ich bleibt der Maßstab, mit dem man die Welt ausmißt« (Freud 1909). Sprache in der Adoleszenz 

Die zentrale Entwicklungsaufgabe der Adoleszenz – Akzeptanz und Anerkennung der eigenen Identität – setzt autonome, separierende Schritte innerhalb bestehender Beziehungen voraus. Für diesen Reifeprozess ist die Identifikation mit Gruppen der eigenen Generation hilfreich und unverzichtbar. Dieser Prozess gestaltet sich individuell und abhängig von der Reife und von der verfügbaren Kapazität des Ich. Sprache, oft eine Sprache die Erwachsene nicht verstehen, hat bei der Abgrenzung in beide Richtungen für die Heranwachsenden eine wichtige Funktion. Der Referent vertritt, dass wir in Analysen, i.S. stellvertretender Ich-Funktion, zunächst selbst die Erfahrung von Begrenzung und Trennung als Teil des therapeutischen Prozesses erleben, in uns halten und verdauen müssen.